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Kirsten Gassen

Südafrika Volunteer im Affenschutzprojekt

Kirsten Gassen

Was hat Dich zu dieser Reise motiviert und warum hast Du Dich für Afrika entschieden?

Ich wollte etwas komplett anderes machen.13 Jahre lang habe ich nichts anderes getan als in der Schule Lehrern und anderen Autoritätspersonen zu zuhören und Anweisungen umzusetzen. Körperliche Arbeit kannte ich hingegen kaum. Ich wollte etwas machen, was sich komplett von dem unterschied, was ich bisher erlebt hatte. Etwas, was mir die Möglichkeit gab mich selbst kennen zu lernen und gleichzeitig anderen etwas zurück zu geben. Ein Volontariat schien mir die perfekte Lösung zu sein. Das besondere an dem Center ist, dass man „hands on“ arbeiten kann. Man hat direkten Kontakt zu den Tieren, sieht sofort Resultate der Arbeit, die man leistet und ist Teil eines ganz besonderen Teams, welches jeden Tag sein bestes gibt, um Affen und Primaten im besonderen eine zweite Chance auf ein Leben in Freiheit zu geben. Das Center kümmert sich um verwaiste, verletzte oder in Gefangenschaft gehaltene Affen und Primaten mit dem Ziel sie wieder in ihre Heimat zu entlassen. Nebenbei betreibt das Center Aufklärungsarbeit über die Tiere bei der einheimischen Bevölkerung. Dieses Konzept und das Ziel dahinter hat mich dazu veranlasst genau dorthin zu reisen. Die Tatsache, dass dieses Projekt in Afrika stattfindet, war für mich nur Nebensache. Aber die Herausforderung sich in einer völlig anderen Kultur zurecht zu finden hat mich gereizt. Deshalb bin ich ohne zu wissen was mich erwartet, ohne zu wissen ob mich jemand vom Flughafen abholen würde oder nicht und wenn doch wer dieser Jemand sein würde, für einen Monat von zu hause aufgebrochen, um in eine ganz andere Welt einzutauchen, mich selbst kennen zu lernen, nach besten Kräften zu helfen diesen fantastischen Tieren ein neues Leben in Freiheit zu ermöglichen und ihnen ein bisschen von der Liebe und Fürsorge zu geben, die sie verdient haben.

Hast Du Dich von dem Real Gap Team gut betreut gefühlt, sowie vor als auch während Deiner Reise?

Das Team von Real Gap hat mich nach Kräften unterstützt, mich beraten und mir alle meine Fragen so gut wie möglich beantwortet. Jegliche Unsicherheit und Bedenken vor der Reise haben sie ausgeräumt und mir das Gefühl gegeben, dass ich sehr gut aufgehoben gewesen bin.

Kirsten Gassen

Während meines Aufenthalts in Südafrika hingegen war ich auf die Hilfe von Real Gap nicht einmal angewiesen. Das Team vom Center hat sich vor Ort bestens um mich gekümmert und hat mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ich habe dort eine zweite Familie gefunden, die sich rührend um mich gekümmert hat. Wenn es mir nicht gut ging waren sowohl Teammitglieder als auch andere Volontäre für mich da. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich das Team von Real Gap auch vor Ort um mich gekümmert hätte, wenn das notwendig gewesen wäre.

Was war Dein persönliches Highlight der Reise? Was hat Dir besonders gefallen?

Mein persönliches Highlight war, neben der zweitägigen Safari im Krüger National Park auf der wir innerhalb von nur zwei Kilometern alle Big Five gesehen haben, die Operation eines schwer verletzten Affen. Ich durfte nicht nur dabei zusehen wie der Affe genäht wurde, nach nur ein paar Minuten durfte ich selbst Nadel und Faden in die Hand nehmen und unter Anleitung selber nähen, desinfizieren und schlussendlich die Wunde verbinden. Beim Tb-testen durfte ich als einzige von zwölf Volontären eine Insulininjektion ins Augenlied der Grünmeerkatze machen, obwohl ich über keinerlei medizinische Vorkenntnisse verfügte.

Ganz besonders waren auch die Stunden, die wir zu dritt oder viert im Babycage verbracht haben. 15 Affenbabys, die gekuschelt werden wollen und auf mir herumgeklettert sind als wäre ich ein Baum. Inmitten von herumrennenden, springenden und spielenden Affen zu sitzen während einer versucht in mein T-shirt zu krabbeln, ein anderer Orangensaft von meinen Fingern leckt und ein dritter friedlich auf meinen Knien an mich gekuschelt schläft...das ist das „Hands on“-Prinzip des Centers. Genau das hat mir besonders gut gefallen. Jeder hatte die Möglichkeit ein eigenes enges Band zu den Affen aufzubauen und von ihnen zu lernen.

Kirsten Gassen

Wie war Deine Unterkunft und die Mahlzeiten?

Die Unterkunft in verschieden großen Schlafsälen war angemessen und etwas ganz anderes im Vergleich zu dem, was ich von zuhause kannte. Ein Besuch von Grillen, Mäusen oder auch wilden Affen im Schlafsaal war durchaus nichts ungewöhnliches. Beim Duschen kam es nicht selten vor, dass ein Affe mich aus einem der Bäume heraus beobachtete. Der Pool und auch der Fluß waren Anlaufpunkt Nummer eins an heißen Tagen und sorgten dafür, dass wir in unserer Freizeit auch mal komplett entspannen konnten. Für die Aktiveren unter uns bot die „Zipwire“ eine andere Möglichkeit den Fluß zu genießen, wenn mal kein Nilpferd in der Nähe war. Hin und wieder fanden wir Geckos in den Toiletten oder uns selbst auf einmal umgeben von vielen wilden Affen, die rund um die Station leben.

Die Mahlzeiten, die größten Teils von einem der Angestellten zubereitet wurden, waren immer ein kulinarisches Highlight! Traditionell Afrikanisches Essen, wie zum Beispiel Braai und Potjie an den Wochenenden, sowie Squash oder aber einfach nur Reis und Gemüse waren immer lecker und wurden von Bob meist feierlich zelebriert.

Kirsten Gassen

Was würdest Du anderen Weltenbummlern mit auf den Weg geben, die sich überlegen, diese Reise zu machen?

Ich würde ihnen raten ihre Zeit zu genießen. Die Arbeit ist zwar sehr hart, aber man muss nur in die Gesichter der Affen schauen um zu wissen wofür man jeden Morgen so früh aufsteht und sein Bestes tut. Man sieht die Resultate seiner Arbeit sofort und zu sehen wie gut es den Tieren dort geht ist die größte und beste Belohnung für die Blasen an den Händen und die Rückenschmerzen, die man schon mal vom Bushclearing bekommen kann.

Nutzt die Chancen, die man euch geben wird. Seid nicht schüchtern! Egal für wie schlecht ihr euer Englisch haltet, sprecht mit den anderen! Ihr werdet viele nette Leute kennen lernen, die im Kern vereint sind durch das Bestreben diesen fantastischen Tieren zu helfen. Seid euch für nichts zu schade. Lebt jede Sekunde voll und ganz, seid offen und ehrlich, ergreift jede Chance mit den Affen zu arbeiten. Sie werden es euch danken und ihr werdet wissen, dass ihr Teil einer ganz besonderen Sache seid. Eine Sache, die vielleicht, wenn ihr es zulasst, euer Leben verändern wird. So wie sie das meine verändert hat. Ich habe mein Herz verloren. Habe es dort gelassen. Es ist immer noch dort. Gestohlen von den Affen, dem Ort, den Menschen. Deshalb muss ich wieder dorthin zurück. Um wieder ganz zu werden. Um zu sehen wie meine Arbeit das Leben dieser Tiere verändert hat. Denn das hat sie. Ich habe sie verändert, habe meinen Teil dazu beigetragen, dass es diesen Tieren besser geht und allein das zu wissen ist eine große Bereicherung.

Geht nach Südafrika und lasst euch von allem dort verzaubern. Geht dorthin mit offenen Augen und Ohren. Wenn ihr zurück kehrt, werdet ihr anders sein. Anders als die anderen, weil ihr wissen werdet was es bedeutet wirklich und wahrhaftig für eine Sache zu arbeiten, die anderen hilft.

An alle Schulabgänger und Hochschulabsolventen!
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