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Elena Stiehr

Costa Rica Faultierschutz

Elena Stiehr

Was hat Dich zu dieser Reise motiviert und warum hast Du Dich für Costa Rica entschieden?

Als ich während einer aufblühenden Frühlingswoche Ende März mit einer Angina ziemlich krank im Bett lag, war der Fernseher eine meiner wenigen Möglichkeiten gewesen, etwas von dem Leben außerhalb meiner Krankenstation zu erfahren. Eines Nachmittags trat ein Mädchen in mein Leben, doch wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welch schicksalhafte Bedeutung diese Begegnung haben sollte. Es war viel jünger als ich, sah gar nicht aus wie ich, aber wir hießen fast gleich und es dauerte nicht lange, bis ich heraus fand, dass Helenas Seele und ihre Begeisterung für Costa Rica genauso in mir zu finden war. Nie dort gewesen und trotzdem von oben bis unten gebannt, war mein Lebenstraum innerhalb von 45 Minuten Sendung und einer viel zu langen Werbepause geschaffen: Einmal nach Costa Rica!

Was mich schon längst ergriffen hatte, war meine Begeisterung für Faultiere. „Sie können eben doch lachen“, versuchte ich immer allen weis zu machen. Und längst wunderte sich keiner mehr, wenn ich eine Stunde lang meine Nase an der Glasscheibe im Zoo platt drückte, um einer dreiköpfigen Faultierfamilie beim Schlafen zuzusehen. Als ich dann im Internet zufällig über das Volunteerprojekt von Real Gap auf einer Faultierstation in Costa Rica stolperte, wurde das Kartenhaus zum Einsturz gebracht - seit jenem Abend war ich mir über meine Bestimmung bewusst und ich dankte Gott im Himmel, dass es Organisationen wie Real Gap gab, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, verrückte Träume und Selbstverwirklichungsbedürfnisse junger Erwachsener zu realisieren.

1. Die ersten Eindrücke

Fast eine Woche hatte ich in der Hauptstadt San José verbracht und ich war total glücklich endlich in die Nähe der karibischen Küste zu gelangen, wo die Faultierstation gelegen ist. Die Busfahrt durch die Berge des Valle Central war unglaublich schön und beeindruckend. Je mehr wir dem Meer entgegen fuhren, umso größer war die Veränderung der sich umgebenen Natur. Scheinbar ganz schlagartig fühlte man sich in ein komplett neues Land versetzt, als die die Straßen angrenzenden Bananenplantagen auftauchten und gar nicht mehr verschwinden wollten. Sofort ergriff mich das karibische Flair und ich fühlte mich gleich sehr wohl und war schon vor meiner Ankunft unheimlich froh gewesen, das Faultierprogramm gebucht zu haben. Ich wurde total nett von der Besitzerin persönlich empfangen und lernte beim ersten Mittagessen auch sogleich die anderen Freiwilligen kennen. Danach durfte ich auch sofort bei der Vorbereitung des Mittagessens für die Faultiere helfen und nach getaner Arbeit stiegen wir den Bus, um in das 11 km entfernte nächstgelegene Städtchen Cahuita zu fahren.

Elena Stiehr

2. Cahuita

In Cahuita sollte ich die nächsten zwei Wochen fast jeden Nachmittag verbringen - denn entgegen der Beschreibung darf man täglich nach der Arbeit das Gelände verlassen, wenn man denn möchte.

Cahuita stellte sich als kleines Dorf heraus mit einem nicht zu übersehenden und überhörenden jamaikanischen Einfluss: in den wenigen Straßen gibt es umso mehr farbige Menschen mit langen Rastamähnen, sowie karibische Bars und Restaurants, aus denen ununterbrochen Reggaerythmen auf die Straßen rauschten, so dass man immer eine Gelegenheit fand, es sich nach der Arbeit gut gehen zu lassen. Hier werdet ihr die besten und dazu billigsten Cocktails eures Lebens trinken! In der Abenddämmerung bringen bunte Lichterketten die Restaurants und Bars zum erleuchten. Dann liegt alles in Rot, Grün, Gelb, eben die Farben der Reggaebewegung, was malerisch schön aussieht und zugleich zum langen Verweilen einlädt.

Während in der Nordhälfte mit dem wunderschönen Nationalpark Cahuitas, dem unglaublichen Strand mit schief wachsenden Palmen das touristische Leben herrscht, scheint in der Südhälfte der jamaikanische Einfluss noch größer zu sein. Dort trifft man auf den Playa Negra, der sich als wüster, schwarzsandiger, von karibischen Kokospalmen umsäumter Strand entpuppte, der einen beim ersten Anblick verzaubert. Ständig erwartete ich, dass sogleich das große Segelschiff von „Fuch der Karibik“ mit Jack Sparrow anlegte und eine Horde Piraten in dem nebelverzogenen Horizont durch die Szenerie jagten. Was jedoch keine Illusion war, waren die Wildpferde, die durch die kleinen Straßen von ihren Besitzern getrieben wurden oder in der Ferne am Strand rasteten.

Kommt einmal nach Cahuita und ihr kehrt mit gereinigter Seele zurück!

3. Die Mitarbeiter

Während des Aufenthalts war Claire täglich eine Anlaufstation für uns Freiwillige gewesen. Sie war es nicht nur, die uns das Drumherum der Faultierfarm erklärte, sondern war auch offen für allerlei Sorgen, Probleme und Wünsche. Sie fasste sich ans Herz und erlaubte mir und meiner neuen österreichischen Freundin, die zwei einzelnen freien Tagen von zwei Wochen für ein verlängertes Wochenende zusammenzulegen, damit wir einen Trip nach Panama machen konnten, das nicht weit von der costaricanischen Grenze entfernt ist. „This was a lot“, erklärte sie uns später, umso dankbarer waren wir, eine so freundliche Chefin zu haben.

Elena Stiehr

4. Der Arbeitsalltag

Habt keine Angst, euch wird nie langweilig werden! Und nimmt statt zwei lieber nur ein Buch mit!

Täglich standen wir ab 6 Uhr, wenn längst die Sonne aufgegangen war, in den Käfigen, um diese sauber zu wischen, die Handtücher für die Faultiere auszuschütteln und nach Bedarf zu wechseln. „Sind die Teller vom Vortag auch leer gefressen?“, war eine Frage, die man sich am Morgen minütlich stellte, prüfte und Häkchen setzte. Schließlich verschwanden wir samt leergeputzten Teller in der Küche, um Blätter für die Tiere zum Frühstück zu waschen und zusammen mit grünen Bohnen den Faultieren aufzutischen. Je früher man fertig war, desto eher bekam man sein eigenes Frühstück, auf das man sich dann ab halb 8 auch so richtig freute. :)

Um 9 spülten wir die Faultierteller und fragten nach Arbeit. Wenn man Pech hatte bedeutete das Käfige schrubben oder Wege fegen, was aber in der Gruppe auch sehr lustig sein konnte, wenn man Glück hatte, bekam man ein Faultierbaby an die Brust gesetzt und man durfte mit seinem „baby-for-a-while“ Kletterübungen machen, es rum tragen, ihm die anderen Faultiere zeigen oder einfach etwas vorsingen. Das machte so herrlichen Spaß und einen selbst so glücklich, dass man es seinem Baby auch sogleich verzieh, wenn es einem zum Dank in den Arm biss.

Manchmal gab es bis zur Vorbereitung des Mittagessens ab 11 auch nichts zu tun und das bedeutete für uns auf dem gemütlichen, überdachten Steg direkt am Wasser rumzuhängen, in der Hängematte zu liegen, auf den Fluss zu schauen, Tagebuch zu schreiben, zu lesen oder die neusten 300 Faultierfotos zu begutachten und seinen neuen Freunden zu zeigen.

Das Mittagessen für die Faultiere war immer recht schnell gemacht. Möhren, Mangos und Süßkartoffeln mussten in faultiergerechte Portionen geschnitten und eine Ladung Blätter gewaschen werden. Nach dem eigenen Mittagessen ab 12, das eine sehr nette Angestellte des Zentrums vorbereitete, konnte man sich bis 2 Uhr noch ausruhen, ehe es wieder zu den Faultieren ging. Auf den bunten Tellern wurde das vorbereitete Gemüse verteilt, zudem eine Portion Hundefutter und Blätter, und den Tieren in die Käfige gebracht. Dabei dufte man sich frei fühlen den Faultieren ein Stück Gemüse aus der Hand zum Fressen zu geben, sie dabei zu streicheln oder Fotos oder Videos zu machen. Es bestand nie Sorge zu Hektik oder Stress. Außer man mochte den nächsten Bus nach Cahuita nicht verpassen. :)

Wie war Deine Unterkunft und die Mahlzeiten?

Um Frühstück und Mittagessen brauchte man sich nicht zu kümmern. Brot, Marmelade, Milch, Cornflakes und Kaffee waren immer vorhanden oder konnten bei der Köchin nachbestellt werden. Mittags wurde das Essen für die Freiwilligen vorbereitet und es gab immer Salat, Fleisch, sehr häufig Reis mit Bohnen, manchmal aber auch Nudeln und Kartoffeln. Hatte man für das Abendessen besondere Wünsche, musste man diese sich in den Märkten in Cahuita selbst erfüllen, ansonten konnte man sich ohne Probleme aus den vorhandenen Vorräten oder von den Resten des Mittagessens bedienen.

Den Freiwilligen steht ein eigenes Haus zur Verfügung, das täglich gewischt und geputzt wurde. Während unten sich der gemütliche Essbereich mit Satellitenfernsehen und die Küche befindet, wo wir Freiwillige, vor allem abends, viel Zeit verbrachten, liegen im 1. Stock die Schlafzimmer, was das Gute hat, dass etwaige Wildtiere nicht gleich Zugang zum Schlafgemach finden. :)

Elena Stiehr

Hast Du Dich von dem Real Gap Team gut betreut gefühlt, sowie vor als auch während Deiner Reise?

Das Real Gap Team erwies sich als geduldig und immer kommunikationsbereit, als es um die tausend Fragen zur Vorbereitung der Reise ging. Es erschien mir immer bemüht gewesen zu sein Probleme oder Unsicherheiten zu lösen und gab mir das Gefühl in guten Händen zu sein, damit ich sorglos das „Abenteuer meines Lebens“ antreten konnte.

Was würdest Du anderen Weltenbummlern mit auf den Weg geben, die sich überlegen, diese Reise zu machen?

Seid euch der Bedeutung bewusst in und mit der Natur zu leben! Das heißt während der Regenzeit auch mit einer Woche Dauerregen, nicht trocknenden Schuhen und weniger Arbeit eine gute Zeit verbringen zu können. Ihr werdet mit 100% Garantie auf eine Anzahl verschiedener Tiere treffen. Wenn ihr Glück habt, bleiben Ameisen, Moskitos, Geckos und Kakerlaken eure einzigen unangenehmen Wegbegleiter. Es gibt aber auch handgroße Spinnen (die allerdings nicht gefährlich sind), Fledermäuse (öfters im Haus gehabt) und Krabben (das Wasser ist nicht weit). Nicht zu vergessen die Brüllaffen, so dass ihr bereits morgens um 5 Uhr täglich erinnert werdet, wo ihr eigentlich seid. Nämlich in Cost Rica - la pura vida - und nicht gelangweilt daheim! :) Ich möchte all diese Erfahrungen nicht missen, da Abenteuer bedeutet, eine Situation zu bestehen, die mit außergewöhnlichen Geschehenissen verbunden ist. Darauf werdet ihr ohne Zweifel stoßen!

Ich habe eine unglaublich tolle Zeit in Costa Rica verbracht, die Nähe zu den Faultieren war etwas ganz Besonderes für mich und ich habe viele neue Freunde gefunden. Ich bin als neuer Mensch nach Deutschland zurückgekehrt und dafür möchte ich Real Gap danken. Ich bin mir ganz sicher, dass das pura vida von Costa Rica jeden ergreifen wird!

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